Baumfällungen in der Binzer Düne – was war da los?
In den letzten Wochen erreichten uns viele Anfragen zu Baumfällarbeiten in der Binzer Düne. Diese fanden im Februar vor allem im Bereich ab Dorint Hotel / Arkona Hotel bis zum IFA Ferienpark statt. Wir haben den Hintergrund bei der Binzer Bucht Touristik / Kurverwaltung erfragt und die Stellungnahme nachfolgend zusammengefasst.
Formale und rechtliche Grundlage
Bereits im Jahr 2000 wurde die „Konzeption zur naturnahen Gestaltung, Pflege und Entwicklung des promenadennahen Küstendünenbereiches“ erarbeitet. Dieses Gestaltungskonzept legt fest, wie sich die Dünenlandschaft entwickeln soll. Ziel ist ein lockerer Gehölzbewuchs, der einerseits die natürliche Dünenstruktur unterstützt und andererseits dauerhafte Sichtbeziehungen zur Ostsee von der Promenade ermöglicht. Ein weiterer wichtiger Schritt folgte 2014 mit einem Nutzungsvertrag zwischen der Gemeinde Binz und dem Land Mecklenburg-Vorpommern. Das Land wird dabei durch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) vertreten. In diesem Vertrag ist festgelegt, dass die Gemeinde die eigenverantwortliche Pflege und Gestaltung der Dünenflächen übernimmt. Die fachliche Durchführung der Maßnahmen liegt beim Eigenbetrieb Binzer Bucht Tourismus, der im Rahmen dieser Vereinbarungen handelt.
Funktionaler Küstenschutz und Sicherheit
Dünen sind ein natürlicher Schutzwall gegen Sturmfluten und starke Winde. Damit sie diese Aufgabe erfüllen können, muss ihre Stabilität erhalten bleiben. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Entnahme einzelner Kiefern. Diese Bäume besitzen ein flaches Wurzelsystem. Bei Sturm oder Sturmfluten können sie deshalb wie ein Hebel wirken: Wird der Baum umgerissen, kann er Teile der Düne aufreißen und so die Schutzfunktion schwächen. Hinzu kommt die Verkehrssicherungspflicht. Laut Nutzungsvertrag ist die Gemeinde - vertreten durch den Eigenbetrieb Binzer Bucht Tourismus – dafür verantwortlich, dass die Wege durch die Dünen und die Zugänge zum Strandsicher bleiben. Dazu gehört auch, mögliche Gefahren durch instabile Bäume oder abbrechende Äste rechtzeitig zu beseitigen.
Naturschutz und biologische Vielfalt
Die Binzer Düne gehört zum sogenannten FFH-Lebensraumtyp 2130 - Graudüne. Diese Dünenform ist europaweit geschützt, da sie vielen spezialisierten Pflanzen- und Tierarten Lebensraum bietet. Damit dieser Lebensraum erhalten bleibt, ist eine regelmäßige „Entkusselung“ notwendig. Dabei werden aufkommende Gehölze entfernt, damit die Dünen nicht zu stark verbuschen. Ohne diese Pflege würden sich Kiefern und andere Sträucher immer weiter ausbreiten und die offenen Dünenflächen verdrängen. Normalerweise erfolgen solche Maßnahmen etwa zweimal pro Jahr. In den vergangenen Jahren wurde dieser Rhythmus jedoch teilweise unterbrochen, weil die Population der Wildkaninchen – die durch ihr Fressverhalten ebenfalls zur Offenhaltung der Dünen beitragen – durch die Krankheit **Myxomatose stark zurückgegangen ist.
Schutz seltener Pflanzenarten
Viele typische Dünenpflanzen sind auf viel Licht und nährstoffarme Böden angewiesen. Wenn Kiefern oder andere Gehölze zu dicht wachsen, entsteht Schatten und der Boden wird durch Nadeln und Laub angereichert. Dadurch verschwinden die spezialisierten Arten der Dünenlandschaft.
Zu den Pflanzen, die von der Pflege profitieren, gehören unter anderem:
• die Kuhschelle,
• die Dünennelke,
• sowie typische Dünenpflanzen wie der Strandhafer.
Diese Arten stabilisieren gleichzeitig den Sandboden und tragen damit selbst zur Stabilität der Düne bei.
Wie die Düne künftig aussehen soll
Das Ziel der Pflege ist keine kahle Landschaft, sondern eine naturnahe und stabile Dünenstruktur. Angestrebt wird:
• ein lockerer Bestand aus Hochkiefern entlang der Promenade,
•einzelne standortgerechte Sträucher wie Hundsrose oder Weißdorn,
• offene Bereiche mit Magerrasen und Strandhafer, die typisch für Graudünen sind.
Eine vollständige Wiederaufforstung mit Kiefern wäre aus naturschutzfachlicher Sicht nicht sinnvoll. Sie würde die offenen Dünenflächenverdrängen und damit den geschützten Lebensraum der Graudüne gefährden.
Fazit
Die Dünenlandschaft am Strand erfüllt wichtige Aufgaben für den Küstenschutz, bietet Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere und ist zugleich ein prägendes Element des Landschaftsbildes. Damit diese Funktionenlangfristig erhalten bleiben, wird die Binzer Düne regelmäßig gepflegt. Diese Maßnahmen erfolgen auf Grundlage langfristiger Planungen, rechtlicher Vereinbarungen und fachlicher Empfehlungen. Der Eigenbetrieb Binzer Bucht Tourismus handelt dabei im Auftrag der Gemeinde und im Einklang mit den zuständigen Landesbehörden. Ziel ist es, die Dünenlandschaft von Binz auch in Zukunft als natürlichen Küstenschutz, wertvollen Lebensraum und charakteristischen Teil der Küstenlandschaft von Rügen zu erhalten.


