Aktuelles zur Mieterhöhung der Wohnungsverwaltung Binz GmbH
Verantwortung bedeutet auch, ehrlich mit der Realität umzugehen
Die Diskussion um die geplanten Mietanpassungen der Wohnungsverwaltung Binz GmbH wird derzeit intensiv geführt. Das ist verständlich, denn Wohnen betrifft viele Menschen unmittelbar.
Gerade deshalb ist es wichtig, bei den Fakten zu bleiben und die Gesamtsituation ehrlich einzuordnen.
Die jetzt vorgesehenen Anpassungen betreffen ausschließlich Mietverhältnisse mit sehr niedrigen Bestandsmieten unter 6,00 € pro Quadratmeter.
Dabei wurde ausdrücklich nicht der gesetzlich mögliche Rahmen ausgeschöpft. Gesetzlich wären Erhöhungen von bis zu 15 % möglich gewesen. Der Aufsichtsrat hat sich bewusst dafür entschieden, die Anpassungen auf maximal 10 % zu begrenzen. In der jetzt ersten Umsetzung erfolgt sogar lediglich eine Anpassung von 8 %.
Teilweise liegen die Wohnungen selbst nach der Anpassung weiterhin unter 6,00 € pro Quadratmeter Kaltmiete.
Ebenso wichtig:
Nach derzeitiger Systemlage wurden seit mindestens 2014 keine regulären Mieterhöhungen im Bestand vorgenommen. Anpassungen erfolgten lediglich dort, wo konkrete Verbesserungen in einzelnen Wohnungen durchgeführt wurden.
Das bedeutet im Klartext:
Über viele Jahre wurden notwendige Entwicklungen im Bestand nicht konsequent angegangen, obwohl gleichzeitig Kosten für Instandhaltung, Handwerkerleistungen, Energie, Material und Modernisierung kontinuierlich gestiegen sind.
Politisch war es sicherlich bequemer, schwierige Entscheidungen immer weiter aufzuschieben. Verantwortung übernimmt man allerdings nicht dadurch, dass man Probleme einfach an die Zukunft weiterreicht und sich später darüber empört, dass irgendwann gehandelt werden muss. Genau diese Folgen sehen wir heute.
Gleichzeitig wurde im Bestand investiert.
So erfolgten beispielsweise in der Dünenstraße bereits umfangreiche Strangsanierungen sowie weitere Instandsetzungsmaßnahmen. Die Ringstraße wiederum ist ein Nachwende Neubau, bei dem moderate Anpassungen ebenfalls vertretbar sind.
Wer kommunalen Wohnraum dauerhaft erhalten will, muss Verantwortung übernehmen. Verantwortung bedeutet nicht, notwendige Entscheidungen dauerhaft zu vermeiden, sondern Wohnungen langfristig in einem vernünftigen Zustand zu halten und Investitionen überhaupt möglich zu machen.
Denn eines muss ebenfalls klar gesagt werden:
Kommunales Wohnen funktioniert nicht ohne wirtschaftliche Stabilität. Überschüsse einer Wohnungsverwaltung dienen nicht dazu, Gewinne „abzuschöpfen“, sondern Investitionen, Sanierungen und den Erhalt des Wohnungsbestandes zu sichern.
Es wäre politisch sicherlich einfacher, heute gar nichts zu verändern. Die Folgen würden jedoch in einigen Jahren die Mieterinnen und Mieter tragen, durch ausbleibende Investitionen, steigenden Sanierungsbedarf und deutlich größere finanzielle Belastungen.
Bemerkenswert finden wir allerdings auch, dass eine der lautesten öffentlichen Kritikerinnen dieser Entscheidung im entscheidenden Moment selbst keine Verantwortung übernommen hat.
So wurde öffentlich große Kritik geäußert, an der eigentlichen Abstimmung im Aufsichtsrat jedoch wegen persönlicher Betroffenheit nicht teilgenommen.
Das ist selbstverständlich rechtlich korrekt und auch richtig so. Umso schwieriger wird allerdings eine glaubwürdige öffentliche Empörung, wenn man sich der Verantwortung in der entscheidenden Sitzung selbst entzieht.
Wir stehen zu unserer Verantwortung.
Auch dann, wenn Entscheidungen unbequem sind.
Denn kommunales Wohnen sichert man nicht mit populären Überschriften oder sozialen Medien, sondern mit langfristig tragfähigen Entscheidungen, Ehrlichkeit und verantwortungsvollem Handeln.
